Für alle die mehr wissen wollen über RESCHITZ, BANAT, RUMÄNIEN (unsere alte Heimat), die sind hier genau richtig.
MITTEILUNGSBLATT DES
HEIMATVERBANDES BANATER BERGLANDDEUTSCHER E.V.
Folge 72        München-Wien, Jänner-Feber          1997 13. Jahrgang


Geschichte und Geschichten

Unser Heimatverband bezieht seine Existenzberechtigung aus der Geschichte, denn unsere Gemeinschaft der Banater Berglanddeutschen ist infolge bestimmter historischer Geschehen entstanden, ist gewachsen, hat sich über gut 200 Jahre mehr oder weniger intakt erhalten und ist nun dabei, sich aufzulösen, wobei auch dieses Finale etwas mit Geschichte zu tun hat. Geschichtswissenschaftler interessieren sich für Fakten, suchen nach Zusammenhängen zwischen Einzelgeschehen und verbinden so diese zu einem Ganzen, zur Geschichte einer Epoche, eines Volkes, der Menschheit.
Der einzele Mensch erlebt Geschichte, bevor sie das wird, was wir Geschichte nennen, als eine Fülle von Geschichten, sagt doch so mancher im Rückblick auf die vielen Geschichten seines Lebens: Ich könnte einen Roman schreiben über das, was ich erlebt habe! Und damit begibt er sich ins Reich der fiktionalen Literatur, ein Reich, in dem sich - selbst in Werken mit autobiographischem Charakter - die Grenzen zwischen ,,Dichtung und Wahrheit" mehr oder weniger verwischen, weil das eigene Empfinden in solchen Geschichten stets eine Rolle spielt. Geschichten haben etwas zu tun mit Gefühlen, mit dem ganz persönlichen Blick auf das, was man erlebt hat. Und darum fällt es oft schwer, das Selbsterlebte sachlich,
vorurteilsfrei zu bewerten, es der Geschichte gleichsam ein- und unterzuordnen. Deutlich wurde dies z.B. 1995, als 50 Jahre danach Flucht, Vertreibung und Rußlanddeportation Thema öffentlicher Diskussionen waren, weil diese inzwischen historischen Geschehen immer noch verbunden sind mit erlebten Geschichten vieler noch lebender Zeitzeugen.
Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hat dazu in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag am 1. Juni 1995 gesagt:
,,Nur Unbelehrbare können bestreiten, daß die erste Ursache jener Tragödie im 30. Januar 1933 zu suchen ist. Eindeutig ist auch die Verantwortung für den Angriffskrieg im Osten, zuerst gegen Polen, dann gegen die Sowjetunion. Wer etwas anderes
behauptet, hat nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt. Wir müssen aber auch jenen nachdrücklich widersprechen, die in der Erinnerung an das Leid der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge einen Akt kleinlicher Aufrechnung oder gar einen Akt von Revanchismus sehen wollen. Weder wird deutsche Schuld durch das Unrecht der Vertreibung auch nur um ein Jota gemindert, noch hebt deutsche Schuld das Unrecht der Vertreibung auf."

Aus der Geschichte lernen kann also nur, wer sich vorurteilsfrei bemüht zu verstehen, was warum geschehen ist. Aber es ist nicht nur das emotionale Element, das Geschichte von Geschichten unterscheidet. Es ist auch der Blickwinkel, aus dem das Geschehen betrachtet wird. Der Geschichtenerzähler war nah dran am Geschehen, sein Blickwinkel darauf entsprechend eng. Der zeitliche Abstand zwischen dem Historiker und dem Geschehen, dem er sich forschend zuwendet, ist größer, sein Blickwinkel weiter. Er kann demnach das Einzelgeschehen als Glied einer Kette von Geschehnissen erkennen, aus der sich schließlich das ergibt, was wir unter Geschichte verstehen.

Doch was wäre Geschichte ohne Geschichten? Sind nicht gerade die Geschichten das, was der nüchternen Faktensammlung Farbe verleiht? Daß es am Ende des vorigen Jahrhunderts bereits eine Eisenbahnverbindung von Wien nach Reschitz gab, ist ein Faktum, nachzulesen in Geschichtsbüchern. Eine Vorstellung von einer Reise nach Reschitz damals können uns aber erst Geschichten Reisender vermitteln. In diesem Blatt findet sich beides: historische Fakten und Geschichten.

Themen aus der Geschichte des Deutschtums im Banater Bergland und Geschichten, die das Leben im Laufe dieser Geschichte geschrieben hat - diese Mischung soll eine konstante Komponente unserer Zeitung bleiben. Daß unsere Leser uns dabei tatkräftig unterstützen, beweist auch diese Ausgabe wieder.
 

Herta Drozdik-Drexler
 
 


ZUR POSTGESCHICHTE VON RESCHITZA

Erstes Postamt vor 145 Jahren

von Dipl.-Ing. Anton Schulz
 Nachdem 1771 die Eisenwerke gegründet worden waren, sollten noch 80 Jahre vergehen, ehe Reschitz sein eigenes Postamt erhielt.
Wie uns Zeitdokumente Auskunft geben, wurde im ausgehenden 18. und am Anfang des 19.Jh. die Post des Werkes zweimal wöchentlich von einem berittenen Kurier nach Dognatschka geschafft und von dort nach Orawitz befördert, dem Sitz der Bergdirektion, der auch das Eisenwerk Reschitz unterstand. Bis zur Einrichtung eines eigenen Postamtes wurde die Post von und nach Reschitz über das Postamt Dognatschka weitergeleitet.
Einem Bericht von 1811 ist zu entnehmen, daß es damals Postkutschenverkehr von und nach Reschitz gab, wobei die Postkutsche folgende Strecken befuhr:
Reschitza - Dognatschka - Bogschan - Lugosch - Temeswar, Temeswar - Werschetz - Kudritz -Kakova (heute Gradinari) -Orawitza - Sekasch - Dognatschka - Reschitza.

Der Aufschwung Reschitzas um die Mitte des 19.Jh. machte bessere Postverbindungen erforderlich, so daß schließlich am 25. September 1851 in Reschitz eine Poststelle eingerichtet wurde, wie S. Mihalik in seinem 1892 erschienenen Buch ,,Resicza -jelene es multja" (Reschitza - gestern und heute) berichtet. Es wird auch erwähnt, daß der Kaufmann Franz Klemens als Postbeförderer tätig war. Nach meiner Meinung sammelte er in seinem Geschäft nur die Briefe für die Postkutsche, ohne andere Postarbeiten zu erledigen. Eventuell sind im Geschäft noch Briefmarken verkauft worden. Das konnte langfristig keine Lösung sein.

So heißt es denn auch in einem Verordnungsblatt für die Verwaltungszweige des Handelsministeriums vom 21. April 1852 (Nr.32, Zahl 5180-P Seite 212) mit dem Vermerk ,,Wien, 16. März 1852", daß die ,,Errichtung von Postexpedition in Deutsch-Bogschan, Reschitza und Furlog (Firliug) im Temeswarer Postdirektionsbezirk" aufgenommen wurde. Damit bekam Reschitz sein erstes Postamt.
Ein Auszug aus dem Schreiben der ,,k.k. Postdirektion der Wojwodina und des Temeser Banats zu Temeswar" adressiert ,,An Herrn Franz Stadelmann, Haus- und Grundbesitzer in Reschitza" gibt Auskunft über den damaligen Postbetrieb, über finanzielle Vereinbarungen zwischen der Postdirektion und dem Betreiber der ,,Postexpedition", über dessen Dienstpflichten und Ausbildung. In dem Vertrag, datiert vom 20. Februar 1856, heißt es dazu: ,,Die k.k. Post-Direktion hat sich bestimmt gefunden, Ihnen über Ihr Einschreiben vom 22. November 1855 die k.k. Post-Expeditionsstelle in Reschitza gegen Abschluß des Dienstvertrages zu verleihen. Die ersten dieser Stelle verbundenen Bezüge bestehen in einer jährlichen fixen Bestellung von 80 Gulden, einer Amtspauschale von 20 Gulden, und für die Besorgung der wöchentlich 4maligen Beförderung der Botepost von Reschitza nach Bogschan und retour in einer Botepauschale von 280 Gulden; dagegen sind Sie verpflichtet eine Dienstkaution im Betrage von 100 Gulden entweder bar oder mindestens 3 Staatsschuldverschreibungen zu erlegen oder noch vor Dienstantritte, welcher mit dem 1. April d.J. zu geschehen hat, sich die erforderlichen Kenntnisse in der Postmanipulation eigen zu machen, zu welchem Berufe Sie an der k.k. Post-Expedition in Bogschan, welcher unter einem der diesfällige Auftrag erteilt wird, mit dem Beifügen gewiesen werden, sich, wie bald Sie die nötigen Manipulationskenntnisse erhalten haben werden, wegen der Prüfungsablegung, des Vertragsabschlusses und der Beeidigung hierfür zu verfügen."

Die Gebühr für die Beförderung der Post wurde, nach Entfernungsmeilen gestaffelt, berechnet. Die Entfernungsmeilen entnahm der Postbedienstete einem amtlichen Verzeichnis. So betrug die Postgebühr für eine Entfernung bis zu 10 Meilen 3 Kreuzer, wie z.B. für den Brief des Eisenwerks Reschitza an das Eisenwerk Bogschan. Amtlicherseits festgelegt ist auch der ,,Bestellungsbezirk der k.k. Post-Expedition Reschitza", aus der alsbald ein Postamt wurde. Dazu gehören die Ortschaften ,,Cserna, Domany, Franzdorf (Valiuga), Goruja, Jabalcsa, Tirnova, Kelnik, Klokodics, Krassova, Kuptore, Nermed, Deutsch- und Wallachisch-Reschitza, Szoczan."

Ab 1863 fuhr die Postkutsche dann täglich, allerdings nur bis Detta, wo sich eine Verteilungsstelle der Post befand. Dienstags, donnerstags, samstags und sonntags fuhr die Postkutsche auch nach Kraschowa.

Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Vojtek-Bogschan im Jahre 1874 hatte man von Bogschan Anschluß an die Eisenbahnlinie Bazias-Temesvar und damit nach Budapest und Wien. Die Post kam nun bis Bogschan mit der Eisenbahn, um von hier mit der Postkutsche nach Reschitza weiterbefördert zu werden.

Im Jahre 1884 wurde an die Züge der bereits 1873 fertiggestellten Schmalspur-Werksbahn Reschitza-Bogschan ein Postwagen an- gehängt, und die Sendungen mußten nur noch zwischen Werksbahnhof und Postamt per Kutsche transportiert werden. Im Jahre 1887 wurde dem Postamt Reschitza dafür eine Postkutsche für 290 Forint genehmigt.
Bereits 1866 hatte die STEG (k.k. privilegierte Österreichische Staats-Eisenbahn-Gesellschaft), in deren Besitz sich die Reschitzaer Werke bekanntlich seit 1855 befanden, die Notwendigkeit erkannt, eine Telegraphenleitung nach Kraschowa zu bauen, um die Direktverbindung nach Wien, wo sich der Sitz der Gesellschaft befand, zu sichern. 1884, als das Postamt in Staatsbesitz überging, wurde auch hier ein Telegraph aufgestellt.
Das Postamt in Reschitza stand im Laufe der Zeit unter drei verschiedenen Postverwaltungen: 1771-1867 unter österreichischer, 1867-1919 unter ungarischer und seit 1919 unter rumänischer Verwaltung.

Ein ungewöhnlicher Zustand trat kurzfristig in den turbulenten Monaten unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ein. Währen ein Teil des Reschitzaer Postbezirks ab dem 3.-4. Juni 1919 bereits unter rumänischer Verwaltung stand, war Bogschan noch von serbischen Truppen besetzt. Damit war die Eisenbahnverbindung von Reschitza zur damaligen Komitatstadt Lugosch abgeschnitten, und so mußte die Post wieder wie ein Jahrhundert zuvor über Firliug nach Lugosch befördert werden.

Der Sitz des Reschitzaer Postamtes ist im Verlauf der Zeit wiederholt verlegt worden. Franz Stadelmann richtete das Postamt im Hause Orthmayer gegenüber der katholischen Kirche ein.
(Das Haus wurde wegen der Werkserweiterungen in den Jahren des kommunistischen Regimes abgetragen) Nach 1889, als Franz Stadelmann in Rente ging, wurde das Postamt in einem Gebäude unterhalb der evangelischen Kirche untergebracht. (Auch dieses Haus steht nicht mehr.) 1912 wurde ein Postgebäude errichtet, das 1930 vergrößert wurde. Ältere Reschitzaer werden sich noch an den Postbetrieb in diesem Gebäude erinnern. (Heute ist dort die Melody-Bar.) Zur Zeit bemüht sich die Postverwaltung, das Gebäude zurückzubekommen. 1963 bezog die Post einen Neubau gegenüber dem alten Gerichts-gebäude, wo sich auch heute noch der Sitz der Kreisverwaltung für Post und Telefon befindet und in dem auch das Postamt Nr.1 untergebracht ist.

Zur Zeit hat Reschitz vier Postämter, die auf das Stadtgebiet verteilt sind. Ende der 80er Jahre wurde ein Transitpostamt im Nordbahnhof von Reschitza im Stadtteil Lunca Birzavei (Govandari) in Betrieb genommen.

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