Aus der Geschichte lernen kann also nur, wer sich vorurteilsfrei bemüht zu verstehen, was warum geschehen ist. Aber es ist nicht nur das emotionale Element, das Geschichte von Geschichten unterscheidet. Es ist auch der Blickwinkel, aus dem das Geschehen betrachtet wird. Der Geschichtenerzähler war nah dran am Geschehen, sein Blickwinkel darauf entsprechend eng. Der zeitliche Abstand zwischen dem Historiker und dem Geschehen, dem er sich forschend zuwendet, ist größer, sein Blickwinkel weiter. Er kann demnach das Einzelgeschehen als Glied einer Kette von Geschehnissen erkennen, aus der sich schließlich das ergibt, was wir unter Geschichte verstehen.
Doch was wäre Geschichte ohne Geschichten? Sind nicht gerade die Geschichten das, was der nüchternen Faktensammlung Farbe verleiht? Daß es am Ende des vorigen Jahrhunderts bereits eine Eisenbahnverbindung von Wien nach Reschitz gab, ist ein Faktum, nachzulesen in Geschichtsbüchern. Eine Vorstellung von einer Reise nach Reschitz damals können uns aber erst Geschichten Reisender vermitteln. In diesem Blatt findet sich beides: historische Fakten und Geschichten.
Themen aus der Geschichte des Deutschtums im Banater Bergland und Geschichten,
die das Leben im Laufe dieser Geschichte geschrieben hat - diese Mischung
soll eine konstante Komponente unserer Zeitung bleiben. Daß unsere
Leser uns dabei tatkräftig unterstützen, beweist auch diese Ausgabe
wieder.
Herta Drozdik-Drexler
Der Aufschwung Reschitzas um die Mitte des 19.Jh. machte bessere Postverbindungen erforderlich, so daß schließlich am 25. September 1851 in Reschitz eine Poststelle eingerichtet wurde, wie S. Mihalik in seinem 1892 erschienenen Buch ,,Resicza -jelene es multja" (Reschitza - gestern und heute) berichtet. Es wird auch erwähnt, daß der Kaufmann Franz Klemens als Postbeförderer tätig war. Nach meiner Meinung sammelte er in seinem Geschäft nur die Briefe für die Postkutsche, ohne andere Postarbeiten zu erledigen. Eventuell sind im Geschäft noch Briefmarken verkauft worden. Das konnte langfristig keine Lösung sein.
So heißt es denn auch in einem Verordnungsblatt für die Verwaltungszweige
des Handelsministeriums vom 21. April 1852 (Nr.32, Zahl 5180-P Seite 212)
mit dem Vermerk ,,Wien, 16. März 1852", daß die ,,Errichtung
von Postexpedition in Deutsch-Bogschan, Reschitza und Furlog (Firliug)
im Temeswarer Postdirektionsbezirk" aufgenommen wurde. Damit bekam Reschitz
sein erstes Postamt.
Ein Auszug aus dem Schreiben der ,,k.k. Postdirektion der Wojwodina
und des Temeser Banats zu Temeswar" adressiert ,,An Herrn Franz Stadelmann,
Haus- und Grundbesitzer in Reschitza" gibt Auskunft über den damaligen
Postbetrieb, über finanzielle Vereinbarungen zwischen der Postdirektion
und dem Betreiber der ,,Postexpedition", über dessen Dienstpflichten
und Ausbildung. In dem Vertrag, datiert vom 20. Februar 1856, heißt
es dazu: ,,Die k.k. Post-Direktion hat sich bestimmt gefunden, Ihnen über
Ihr Einschreiben vom 22. November 1855 die k.k. Post-Expeditionsstelle
in Reschitza gegen Abschluß des Dienstvertrages zu verleihen. Die
ersten dieser Stelle verbundenen Bezüge bestehen in einer jährlichen
fixen Bestellung von 80 Gulden, einer Amtspauschale von 20 Gulden, und
für die Besorgung der wöchentlich 4maligen Beförderung der
Botepost von Reschitza nach Bogschan und retour in einer Botepauschale
von 280 Gulden; dagegen sind Sie verpflichtet eine Dienstkaution im Betrage
von 100 Gulden entweder bar oder mindestens 3 Staatsschuldverschreibungen
zu erlegen oder noch vor Dienstantritte, welcher mit dem 1. April d.J.
zu geschehen hat, sich die erforderlichen Kenntnisse in der Postmanipulation
eigen zu machen, zu welchem Berufe Sie an der k.k. Post-Expedition in Bogschan,
welcher unter einem der diesfällige Auftrag erteilt wird, mit dem
Beifügen gewiesen werden, sich, wie bald Sie die nötigen Manipulationskenntnisse
erhalten haben werden, wegen der Prüfungsablegung, des Vertragsabschlusses
und der Beeidigung hierfür zu verfügen."
Die Gebühr für die Beförderung der Post wurde, nach Entfernungsmeilen gestaffelt, berechnet. Die Entfernungsmeilen entnahm der Postbedienstete einem amtlichen Verzeichnis. So betrug die Postgebühr für eine Entfernung bis zu 10 Meilen 3 Kreuzer, wie z.B. für den Brief des Eisenwerks Reschitza an das Eisenwerk Bogschan. Amtlicherseits festgelegt ist auch der ,,Bestellungsbezirk der k.k. Post-Expedition Reschitza", aus der alsbald ein Postamt wurde. Dazu gehören die Ortschaften ,,Cserna, Domany, Franzdorf (Valiuga), Goruja, Jabalcsa, Tirnova, Kelnik, Klokodics, Krassova, Kuptore, Nermed, Deutsch- und Wallachisch-Reschitza, Szoczan."
Ab 1863 fuhr die Postkutsche dann täglich, allerdings nur bis Detta, wo sich eine Verteilungsstelle der Post befand. Dienstags, donnerstags, samstags und sonntags fuhr die Postkutsche auch nach Kraschowa.
Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Vojtek-Bogschan im Jahre 1874 hatte man von Bogschan Anschluß an die Eisenbahnlinie Bazias-Temesvar und damit nach Budapest und Wien. Die Post kam nun bis Bogschan mit der Eisenbahn, um von hier mit der Postkutsche nach Reschitza weiterbefördert zu werden.
Im Jahre 1884 wurde an die Züge der bereits 1873 fertiggestellten
Schmalspur-Werksbahn Reschitza-Bogschan ein Postwagen an- gehängt,
und die Sendungen mußten nur noch zwischen Werksbahnhof und Postamt
per Kutsche transportiert werden. Im Jahre 1887 wurde dem Postamt Reschitza
dafür eine Postkutsche für 290 Forint genehmigt.
Bereits 1866 hatte die STEG (k.k. privilegierte Österreichische
Staats-Eisenbahn-Gesellschaft), in deren Besitz sich die Reschitzaer Werke
bekanntlich seit 1855 befanden, die Notwendigkeit erkannt, eine Telegraphenleitung
nach Kraschowa zu bauen, um die Direktverbindung nach Wien, wo sich der
Sitz der Gesellschaft befand, zu sichern. 1884, als das Postamt in Staatsbesitz
überging, wurde auch hier ein Telegraph aufgestellt.
Das Postamt in Reschitza stand im Laufe der Zeit unter drei verschiedenen
Postverwaltungen: 1771-1867 unter österreichischer, 1867-1919 unter
ungarischer und seit 1919 unter rumänischer Verwaltung.
Ein ungewöhnlicher Zustand trat kurzfristig in den turbulenten Monaten unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ein. Währen ein Teil des Reschitzaer Postbezirks ab dem 3.-4. Juni 1919 bereits unter rumänischer Verwaltung stand, war Bogschan noch von serbischen Truppen besetzt. Damit war die Eisenbahnverbindung von Reschitza zur damaligen Komitatstadt Lugosch abgeschnitten, und so mußte die Post wieder wie ein Jahrhundert zuvor über Firliug nach Lugosch befördert werden.
Der Sitz des Reschitzaer Postamtes ist im Verlauf der Zeit wiederholt
verlegt worden. Franz Stadelmann richtete das Postamt im Hause Orthmayer
gegenüber der katholischen Kirche ein.
(Das Haus wurde wegen der Werkserweiterungen in den Jahren des kommunistischen
Regimes abgetragen) Nach 1889, als Franz Stadelmann in Rente ging, wurde
das Postamt in einem Gebäude unterhalb der evangelischen Kirche untergebracht.
(Auch dieses Haus steht nicht mehr.) 1912 wurde ein Postgebäude errichtet,
das 1930 vergrößert wurde. Ältere Reschitzaer werden sich
noch an den Postbetrieb in diesem Gebäude erinnern. (Heute ist dort
die Melody-Bar.) Zur Zeit bemüht sich die Postverwaltung, das Gebäude
zurückzubekommen. 1963 bezog die Post einen Neubau gegenüber
dem alten Gerichts-gebäude, wo sich auch heute noch der Sitz der Kreisverwaltung
für Post und Telefon befindet und in dem auch das Postamt Nr.1 untergebracht
ist.
Zur Zeit hat Reschitz vier Postämter, die auf das Stadtgebiet verteilt sind. Ende der 80er Jahre wurde ein Transitpostamt im Nordbahnhof von Reschitza im Stadtteil Lunca Birzavei (Govandari) in Betrieb genommen.