Auszüge der volkskundlichen Sammlung von Alexander Tietz

Warum die Orawitzer Koari genannt werden

Die Saskaer; Steierdorfer, Moldowaer sind unter Maria Theresia angesiedelt worden. Wenn sie im ,,Erbschank zum Bergmann" mit den Orawitzern zusammensaßen, wurden sie streitig. Die Orawitzaer schlugen sich in die Brust und sagten: ,,Ös seids erst unter Maria Theresia eingewandert, aber mir sein schun untern Koari kummen!" Sie nannten den Kaiser Karl einfach Koari. Und weil sie das zu oft gesagt haben, sind sie die Koari geblieben.
Anton Sittner (1957)


Rósza Sándor in Bokschan

Während der Revolution von 1848 weilte der berüchtigte Rösza Sändor mit seiner Bande in Bokschan. Seine Leute lagerten im Rosnerischen Garten, gegenüber dem Kameralwirtshaus. Hier brieten sie ein zweijähriges Rindl am Spieß und kochten Paprikasch in Wein. Im Kameralwirtshaus zechten sie. Der Wirt des Kameralwirtshauses, der alte Guth, sagte: ,,Sándor bacsi, deine Leute essen und trinken bei mir und zahlen nicht." Da sagte der Räuberhauptmann zu seinen Leuten: ,,Werft dem armen Teufel zwei Schweine über den Zaun!" Und es kamen über den Zaun zwei fette Schweine in den Hof des Wirtes geflogen. So bezahlten die Räuber ihre Zeche.

 Nach Erzählungen von Tata Oancea und Josef Guth (1942 und 1956)


Beim ,,Groschen"

Die Zipser sind aus Schmöllnitz, Stoos, Letschau nach Anina und Steierdorf eingewandert. Ihre Kinder wurden streng erzogen. Wenn ein Kind in der Schule Schläge kriegte und der Vater es hörte, wurde es wieder geschlagen: ,,Du hast nicht umsonst Schläge gekriegt!" Die jungen Leute durften, bevor sie nicht bei der Stellung waren, nicht ins Wirtshaus gehen.
Dort, wo die Erste Kolonie von der Graden Gasse abzweigt, war in Steierdorf das Wirtshaus zur Eisenbahn; man sagte auch ,,Zum Groschen", denn der Wirt hieß Groschen, es war ein großer, starker, korpulenter Mann. Wenn in sein Wirtshaus jüngere Burschen kamen, die noch nicht militärpflichtig waren, sagte er kein Wort, nahm nur heimlich seinen Hosenriemen herunter; auf einmal sprang er auf sie los und hieb mit seinem Hosenriemen auf sie ein, daß sie über Hals und Kopf aus dem Lokal hinausrannten. So viel lag ihm an der Erhaltung der alten strengen Sitte!

Johann Dubravsky (1957)


,,Laufts, denn i muß enk fangen."'

Im achtzehner Jahr war in Reschitz ein großer Streik. Die Arbeiterschaft forderte die Beendigung des Krieges und protestierte gegen die schlechte Versorgung mit Lebensmitteln. Die Behörden nahmen Zwangsmaßnahmen vor. Die Vertrauensmänner wurden verhaftet, und die Gendarmen fingen auf der Gasse die Streikenden ein und führten sie zwangsweise in die Fabrik. Aber beim Tor hatte man sie hineingeführt, und über den Zaun gingen sie wieder durch. Da die Gendarmen mit ihnen nicht fertig wurden, wurde ein ganzes Regiment Militär, die achter Honveds, nach Reschitz kommandiert. Man hatte darauf geachtet, daß die Soldaten lauter Fremde seien, dennoch fand sich aus Versehen ein Reschitzer unter ihnen. Wenn er mit der Patrouille auf der Gasse ging und Arbeiter sah, rief er: ,,Laufts, denn i muß enk fangen!" Seine Vorgesetzten, die Ungarn waren, verstanden nicht, was er rief. Als sie ihm dahinterkamen, wurde er gleich ausgetauscht.

Eugen Lindner (1957)

Arbeiterkolonien

Bis 1659 hatten die Werksorte keine eigene Gemeindeverwaltung; sie galten als Arbeiterkolonien; die Funkionen der Gemeindeverwaltung und die Gerichtsbarkeit in geringen Dingen oblagen dem leitenden Werksbeamten.
Ab 1. Jänner 1859 erhielten die Werksorte Gemeindeverwaltungen; von nun an verwalteten sie sich selbst, hatten einen Ortsrichter, Vizerichter, Gemeinderepräsentanten und Gemeindegeschworene.

Josef Windhager (1942)

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