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Heimatverband Banater Berglanddeutscher aus Rumänien in Deutschland e.V.

Der Heimatverband der Banater Berglanddeutschen wurde 1981 gegründet, nachdem sich über 1400 Landsleute zu einem beeindruckenden, unvergessenen Heimattreffen im österreichischen Bad Mitterndorf eingefunden hatten. Die Wahl war auf den Ort in der Steiermark gefallen, weil mehrere Familien aus der Gegend zu den ersten deutschen Siedlern im Banater Bergland gehörten. Man wollte so einen symbolischen Bogen schlagen von der Ansiedlung zur Aussiedlung.

Die Gründung des Heimatverbandes entsprang dem Wunsch, die eigene Gruppenidentität zu bewahren, die ihren Ursprung in der Siedlungsgeschichte des Banater Berglandes hat.

Die Gebirgskette der Südkarpaten bildet im Osten die natürliche Grenze des Banats. An der Gewinnung ihrer Bodenschätze waren die Habsburger unmittelbar nach der Besetzung des Banats interessiert, und so kamen bereits 1718, noch vor dem ,,ersten Schwabenzug" deutsche Siedler ins Banater Bergland. Es waren Bergleute aus Österreich und Oberungarn. Mit ihnen kamen Fachleute für Metallgewinnung (Schmelzer, Schmiede u.a.), gefolgt von jenen für Forstbewirtschaftung (Holzfäller, Köhler, Förster). Sie gründeten im südlichen Banater Bergland in der Nähe rumänischer Ortschaften eigene Ortsteile, sogenannte Montanorte (Orawitz, Bokschan, Dognatschka, Saska, Reschitz u.a.) und Waldarbeitersiedlungen (Franzdorf, Steierdorf u.a.). Im 19.Jahrhundert wurden auch im nördlichen Banater Bergland Deutsche angesiedelt (Ferdinandsberg, Rußberg), und auch hier entwickelte sich das Berg- und Hüttenwesen.

Von den über 300.000 Deutschen, die in der Zwischenkriegszeit im rumänischen Banat ansässig waren, lebten etwa 40.000 im Banater Bergland. Sie wurden von ihren rumänischen Mitbewohnern ,"nemti" genannt, also Deutsche und auch sie selbst nannten sich so. Auch die Deutschen im Grenzgebiet der einstigen k. und k. Monarchie, seien es die Bürger und Militärs in Karansebesch oder die am Fuße des Semenik angesiedelten Grenzbauern, nannten sich nicht Schwaben. Letztere waren und sind im Banat allgemein als Böhmen (Deutschböhmen) bekannt.

Im Laufe ihrer mehr als 250jährigen Geschichte als Deutsche im Banat gab und gibt es zwischen Schwaben und Bergländern enge Beziehungen kultureller, politischer, wirtschaftlicher, freundschaftlicher, familiärer Art, doch hat sich bei den Bergländern bis heute ein eigenes Gruppenbewußtsein erhalten. Das hat etwas zu tun mit den Besonderheiten ihrer Siedlungsgeschichte, mit den Herkunftsgebieten ihrer Vorfahren, mit ihrer Mundart bayrisch-österreichischer Prägung, ihrer ökonomischen Lage, ihrer eigenständigen kulturellen Tradition.

,,Heimat, (Plural ungebräuchlich)" lesen wir im Duden. Doch Vertreibung, Flucht, Aussiedlung haben unser Leben gleichsam zweigeteilt, und so ist es für uns - Flüchtlinge, Vertriebene, Aussiedler - selbstverständlich geworden, von der "neuen" und der "alten" Heimat zu sprechen. Das Wort "Heimat" ist Teil unseres Verbandsnamens. "Heimat entsteht aus einer Fülle von Erinnerungen", sagte Max Frisch. Viele unserer Erinnerungen sind mit der "alten Heimat" verbunden. Sie bleibt so auch in der "neuen Heimat" Teil unseres Lebens. Das wollen wir mit unserem Verbandsnamen zum Ausdruck bringen. Auch Landschaft ist Heimat. Für uns vom Heimatverband ist es jene Landschaft, "wo in den Tälern die Schlote rauchen" (A.Tietz), wo dank dem Fleiß und dem Können von Generationen deutscher Facharbeiter das größte Schwerindustriegebiet Südosteuropas entstanden ist, das bereits in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts weit über die Grenzen des Banats hinaus Eisenbahnschienen, Lokomotiven, Eisenbrücken lieferte und entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beigetragen hat. Die Verbundenheit mit dem Banater Bergland und seiner Industriegeschichte ist es, was uns im Heimatverband zusammengeführt hat. Sie ist Teil unserer Identität, zu der wir uns als Heimatverband öffentlich bekennen.

Seit seiner Gründung hat der Heimatverband jährlich Heimattreffen veranstaltet. Sie fanden abwechselnd in Bayern (Memmingen), Nordrhein-Westfalen (Attendorn) und der Steiermark statt. 15 Jahre Heimatverband feierten wir 1996 in Bad Mitterndorf mit der Enthüllung einer Gedenktafel in der Ortsmitte.

Seit 1985 gibt der Verband das Mitteilungsblatt "Banater Berglanddeutsche" heraus. Es erscheint alle zwei Monate. Neben diversen aktuellen Informationen enthält es Beiträge, die sich mit unserer Existenz als Deutsche im Banater Bergland beschäftigen und mit der Integration unserer Landsleute in der neuen Heimat.

Da, wo es möglich war, entstanden Ortsverbände, die regelmäßig Begegnungen anbieten. Der älteste ist jener in Gummersbach. In Nürnberg trifft man sich am Stammtisch. In Herzogenaurach probt der "Steirergesangverein".

Die Verbundenheit mit der alten Heimat hat uns zusammengeführt, Kontaktpflege mit der alten Heimat ist uns daher wichtig. Sie hat mit Hilfsaktionen in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in den 80er Jahren begonnen. Zum Heimattreffen 1990 in Schladming konnten wir zum ersten Mal Landsleute aus der alten Heimat begrüßen. Sie waren seither wiederholt unsere Gäste, wie auch Vertreter des Heimatverbandes an Veranstaltungen des Forums der Banater Berglanddeutschen und des Kulturvereins teilnahmen, so an Veranstaltungen im Rahmen der "Deutschen Kulturdekade im Banater Bergland", die jährlich im Oktober stattfindet, an den "Deutschen Literaturtagen in Reschitza", die jedes Jahr im Mai veranstaltet werden, oder an Kirchweihjubiläen in Dognatschka und Steierdorf. Wir machen unseren Mitgliedern die vom deutschen Kultur- und Erwachsenenbildungsverein in Reschitz herausgegebenen Bücher zugänglich und berichten in unserer Verbandszeitung regelmäßig über die Aktivitäten der Ortsforen im Banater Bergland.

Ein besonderes Ereignis für die Banater Berglanddeutschen war die Einweihung des Denkmals zur Erinnerung an die Opfer der Rußlanddeportation, das 1995 in Reschitz in feierlichem Rahmen enthüllt wurde. Das Forum der Banater Berglanddeutschen hat es in Zusammenarbeit und mit substantieller Hilfe von seiten des Heimatverbandes errichtet. Es ist damit ein Beispiel praktizierter Solidarität.

Solidarität war für die Arbeiterschaft des Banater Berglandes selbstverständlich. Sie ist auch das Fundament, auf dem der Heimatverband steht, finanziert er sich doch von Anfang an allein aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Seit ihrer Gründung 1950 hat die Landsmannschaft der Banater Schwaben in der Öffentlichkeit stets die Interessen aller Banater Deutschen vertreten. Die Banater Berglanddeutschen wissen das zu schätzen. Die Gründung eines eigenen Verbandes war kein Bruch mit der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Im Gegenteil. Auf Kontaktpflege mit ihr legen wir besonderen Wert, verstehen wir uns doch als deren kleinerer Bruder. Es freut uns daher, daß die Beziehungen zwischen den beiden Verbänden sich ausgesprochen gut entwickelt haben. Mitglieder des Bundesvorstandes der Landsmannschaft haben an Heimattreffen der Bergländer teilgenommen. Die banatschwäbische Tanzgruppe aus Heidelberg hat das Programm unseres Heimattreffens 1999 mitgestaltet. Die Landsmannschaft hat sich nicht nur dabei als hilfsbereite große Schwester erwiesen. Daß der/die Bundesvorsitzende des Heimatverbandes dem erweiterten Bundesvorstand der Landsmannschaft angehört, ist ein weiterer Beweis für die gute Zusammenarbeit. Ein Beweis enger Verbundenheit ist die Tatsache, daß viele Mitglieder des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen zugleich Mitglieder der Landsmannschaft der Banater Schwaben sind.

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben feiert 50 Jahre ihres Bestehens. Im Rückblick auf 50 Jahre des Wirkens für die Gemeinschaft aller Banater Deutschen kann man mit Genugtuung feststellen, daß sie ihre Aufgabe erfolgreich erfüllt hat. Den Männern und Frauen, welche dieses mit viel persönlichem Einsatz möglich gemacht haben, sei auch von seiten des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen herzlich Dank gesagt. Der Wandel der Zeiten stellt die Landsmannschaft vor neue Aufgaben. Möge sie diese in Zukunft ebenso erfolgreich erfüllen, wie sie dies bisher getan hat!

Der Bundesvorstand des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen

Herta Drozdik-Drexler, Bundesvorsitzende des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen