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Banater Berglanddeutsche, die Donauschwaben, Vielfalt in der Einheit.

Das Wort ,,Donauschwaben" dürfte kaum jemand von uns daheim im Banater Bergland gehört, geschweige gebraucht haben. Es dürfte daher überraschen zu hören, daß zu den "Donauschwaben" neben Ungarndeutschen, Jugoslawiendeutschen ,,in Rumänien die Deutschen im Banat, in und um Arad, im Banater Bergland, im Sathmarer und Marmaroscher Gebiet" zählen (Anton Scherer, Donauschwäbische Bibliographie, Einführung). 

Bezeichnet man uns Deutsche aus dem Banater Bergland gelegentlich als Schwaben, reagieren wir gewöhnlich mit einem entschiedenen: ,,Wir sind keine Schwaben." Es wäre also nur folgerichtig, ebenso entschieden zu behaupten: Wir sind keine Donauschwaben. Aber ganz so einfach sollten wir uns die Sache nicht machen. Da wir uns als Nichtschwaben mit dem Thema Donauschwabentum kaum beschäftigt haben, sollten wir dies nachholen. Die Deutschen im Banat haben sich nicht durchwegs als Schwaben bezeichnet. Ein Schwabe, das war und ist bis heute in der Alltagssprache des Banater Bergländers jemand, der aus einem der vielen von Deutschen bewohnten Orte der Banater Ebene ob Hecke oder Heide - stammt. Sich selbst haben die Deutschen aus dem Banater Bergland nie als Schwaben bezeichnet. Auch die Banater Schwaben selbst haben diese Bezeichnung für die Deutschen aus dem Banater Bergland in der Regel nicht gebraucht, weder für die Böhmen aus den Dörfern am Fuße des Semenik, noch für die deutschsprachigen Bewohner der Industrieorte des Berglandes, in denen besonders nach dem Zweiten Weltkrieg viele Schwaben Arbeit fanden und den dortigen alteingesessenen Deutschen willkommen waren. Auch für die einheimischen Rumänen, mit denen die Deutschen in den Industrieorten des Banater Berglandes von Anfang an zusammen lebten, waren sie nicht ,,svabi", sondern ,,nemti". Ob ,,Schwob" oder ,,Pem" oder einfach Deutscher, wie sich ein Deutscher im Banat selbst bezeichnete, wurde als selbstverständlich hingenommen, führte zu keinerlei ernsthaften Konflikten (schlimmstenfalls zu mehr oder weniger derben Neckereien) und wurde daher kaum hinterfragt. Eine Unterscheidung mag daher auf den ersten Blick als kleinliche Haarspalterei erscheinen, ist es aber nicht, denn seine Identität bezieht der Mensch aus dem kleinen geographischen Raum, der ihm Heimat ist, mit all seinen Eigenheiten - des sozialen Umfelds, der Mentalität, der Sprache, der Gebräuche usw; auf die Unterscheidung verzichten hieße etwas von der eigenen Identität aufgeben. 

So wie ein Reschitzer kein Temeswarer ist, so ist ein Banater Bergländer kein Banater Schwabe, obwohl sie natürlich alle Banater sind. Daß nicht nur die Banater Berglanddeutschen sich dagegen wehren, als ,,Schwaben" vereinnahmt zu werden, weiß, wer sich mit diesem Thema eingehender befaßt. J. V. Senz schrieb dazu: "Hingegen bezeichnen sich die Stadtleute, um sich von der bäuerlichen Landbevölkerung zu distanzieren, als ,Deutsche‘, während sie dem Namen Schwaben für die deutschen Bauern eine abwertende Bedeutung unterstellten, sicher in Anlehnung an die verachtende Einstellung der madjarischen Herrenschicht dem Bauern gegenüber." 

Was Senz hier über die Stadtleute sagt, trifft auf die deutschen des Banater Berglandes nicht zu. Entscheidend waren für sie in diesem Zusammenhang identitätsstiftende Eigenheiten, insbesondere die Sprache, aber auch soziale Strukturen, Landschaft und Mentalität, die in ihrem Bewußtsein für den Unterschied zwischen den Deutschen des Banater Berglandes und jenen der Banater Ebene, den Schwaben, wachhielten, sowie die Tatsache, daß sie von den mitwohnenden Rumänen nie Schwaben genannt wurden, sondern stets ,,nemti", also Deutsche. Die Bezeichnung ,,Schwaben‘ für die Deutschen, die im 18. Jh. als Kolonisten in den mittleren Donauraum kamen, findet sich, wie A. Tafferner nachweist, bereits in Schriften aus dem frühen 18. Jh.. Tafferner hat die in lateinischer Sprache verfaßten Berichte über ,,kanonische Visitationen" zwischen 1698-1748 in der Diözese Weißenbrunn (Vesprem) ausgewertet und dabei festgestellt, daß die deutschen Siedler mal als Angehörige ,,Germanicae Nationes" (deutscher Nation), mal als ,,Svevi" (Schwaben) bezeichnet wurden. Er weist in seiner Schrift ,,Die Herkunftsbezeichnung der donauschwäbischen Kolonisten im 18. Jahrhundert" auch darauf hin, ,,daß nach allgemeiner Feststellung unserer Mundartforscher wirkliche oder Abstammungsschwaben nur ,Fleckerl auf dem bunten Teppich der donauschwäbischen Siedlungsgebiete darstellen" und ,,daß es wirkliche Schwaben en bloc nur im Komitat Sathmar gebe". Doch auch bei den Sathmarer Schwaben wurden z. B. in Großkarol (Carei) 1780 neben den Schwaben auch vier Deutsche gezählt. Dafür, wer diese Deutschen sein könnten, liefern andere Konskriptionen einen Hinweis. In einer ist von schwäbischen, fränkischen und zwei österreichischen (deutschen) Einwohnern die Rede. 

Es liegt nahe anzunehmen, daß man die Bezeichnung Deutscher auch verwendete, wenn die genaue Herkunft unbekannt oder belanglos war. Fakt ist, wie die Siebenbürger Sachsen ihrer Herkunft nach keine Sachsen sind, sind die meisten Donauschwaben ihrer Herkunft nach keine Schwaben. So heißt es denn auch in dem Katalog zur Ausstellung ,,Die Donauschwaben", die 1987 in Stuttgart gezeigt wurde: ,,Die deutschen Siedler wurden von ihren magyarischen und slawischen Nachbarn meist abschätzig Schwaben (ung. sváb; serb. svaba) genannt, obwohl diese Bezeichnung nur teilweise auf ihre Herkunft zutraf. Nachweislich waren nämlich den schwäbischen Siedlern bald auch solche aus Franken, Hessen, Lothringen und Bayern gefolgt." Damit sind allerdings noch nicht alle Herkunftsgebiete der Donauschwaben genannt. Was E. Bonomi über die deutschen Kolonisten im Ofener Bergland (westlich von Budapest gelegen) sagt, trifft mehr oder weniger auf alle deutschen Siedlungsgebiete des mittleren Donauraums zu: ,,Das Deutschtum des Ofener Berglandes ist ein buntes Gebilde. Fast alle Gegenden des deutschen Sprachgebietes stellen mehr oder weniger Siedler..." 

Zusammenfassend kann man festhalten: Die deutschen Siedler im mittleren Donauraum sind ihrer Herkunft nach nur zu einem relativ kleinen Teil Schwaben. Sie werden bereits seit dem l8. Jh. Schwaben genannt, warum, konnte nicht genau geklärt werden. Jedoch findet sich auch die Bezeichnung Deutsche (ung. németek; rum. nemti, serb. nemci). Sie selbst bezeichnen sich anfangs vorwiegend ihrer Herkunft nach, ihre ungarischen und serbischen Nachbarn nennen sie jedoch meist Schwaben, eine Bezeichnung, die sie selbst im Laufe ihrer historischen Entwicklung übernehmen, nachdem sie, wie J. V. Senz schreibt, ab der Mitte des 19. Jh. zunehmend ,,als ein geprägter Neustamm erscheinen und auftreten". Im Ausstellungkatalog heißt es dazu: ,,Erst als sich nach dem Vertrag von Trianon (1920 ein landsmannschaftliches Bewußtsein bei den Deutschen zu entwickeln begann, kam der Name Schwaben bei ihnen selbst zur Geltung und wurde rasch in der zuerst von R. Sieger und H. Rüdiger verwendeten Form der Donauschwaben (1922) verbreitet..." 

Der Name "Donauschwaben" wurde also relativ spät von Wissenschaftlern geprägt. Wie kam es dazu? In seinem Beitrag ,,Hermann Rüdiger (1889-1946) und die Donauschwaben" schreibt J.V. Senz: ,,Um die Betreuung der Deutschen im Ausland hat sich seit seiner Gründung im Jahre 1917 auch das Institut für das Deutschtum im Ausland in Stuttgart bemüht. Abteilungsleiter und Hauptschriftleiter im Auslands-Institut war seit 1923 Dr. Hermann Rüdiger geworden. Als Gelehrter und Geograph hatte er einen Blick für größere wesentliche Zusammenhänge. Zu seinem naheliegendsten Betreuungsgebiet ist Deutschtum Südosteuropas in den Nachfolgestaaten Ungarn, Südslawien (Jugoslawien) und Rumänien geworden. Er hat mehrere Reisen zu den Deutschtumsgruppen in diesen Ländern unternommen und sie so vor Ort gründlich kennengelernt. Wegen seiner Aufgeschlossenheit und seines gründlichen Fachwissens hat man ihn besonders bei den schwäbischen Führungskräften und Organisationen in den Nachfolgestaaten mit offenen Armen aufgenommen. Er erhielt den Auftrag, die historisch-geographische Entwicklung der schwäbischen Gemeinden und Siedlungsgebiete zu erforschen und volkstümlich in zusammenfassenden Schriften zu behandeln." Seine erste mehrmonatige Studienreise führte Rüdiger 1922 nach Jugoslawien und ins rumänische Banat. Über die auf dieser Reise gewonnenen Erkenntnisse berichtete er 1923 in einem Vortrag an der Münchner Universität. Im selben Jahr veröffentlicht er den Text des Vortrages unter dem Titel ,,Das Deutschtum an der mittleren Donau", versehen mit der Widmung. ,, Den DONAUSCHWABEN und ihren völkischen Organisationen, dem Schwäbisch-Deutschen Kulturbund in Neusatz, dem Deutsch-Schwäbischen Kulturverband in Temesvar, der Deutsch-Schwäbischen Volksgemeinschaft im rumänischen Banat". 

1938 schrieb Rüdiger dazu: ,,Als ich nach meiner ersten größeren Reise in den Südosten 1922 eine zusammenfassende Bezeichnung für die Deutschen am Mittelaufbau der Donau suchte, prägte ich zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Geographen Robert Sieger in Graz das Wort Donauschwaben‘... Das Wort fand Anklang in der Presse und im Sprachgebrauch, im Reich und bei den Donauschwaben selbst." Was letztere angeht, so bezeichnete sich ein Großteil der deutschen Bevölkerung im Gebiet der mittleren Donau damals bereits selbst als Schwaben, was sicherlich mit dazu beigetragen hat, daß sich der damals von anderen Wissenschaftlern gleichzeitig gebrauchte Name der Donaubayern für die bairische Mundart sprechenden Siedler und der für alle Deutschen angewandte Name Donaudeutsche nicht durchsetzen konnten". (Die Donauschwaben. Ausstellungskatalog. S.82) Die Einheit der Donauschwaben im Sinne von Schillers ,,Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen noch Gefahr!" hat es nie gegeben. So stellt denn auch J.V. Senz in seinem Artikel ,,Die Einswerdung der Donauschwaben" fest: ,,es wurde aber keine Geschlossenheit und Kompaktheit der staatlich-politischen kirchlich-kulturellen und nationalen Willensbildung erreicht." Das hat seine historischen Gründe.

In ihrem Vortrag ,,Die Donauschwaben als ethnische Gruppe" geht Annemarie Röder der Frage nach, welche Faktoren zur Identitätsbildung einer Gruppe beitragen. Es sind dies: ,,gleiche historische und aktuelle Erfahrungen, eine tatsächliche oder fiktive gemeinsame Herkunft, ein nach innen gekehrtes ,Wir-Gefühl‘ und sozio-kulturelle Gemeinsamkeiten wie Sprache, Religion, Kultur." Und sie stellt fest: ,,Ethnizität ist nicht angeboren, sie entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit anderen und ist somit ein Prozeß der Bewußtwerdung." Worte von Jakob Laub, dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, auf dem diesjährigen Heimattag machen dies deutlich: ,,Von Ulm zogen im 18.Jh. Pfälzer und Schwaben, Badener und Elsässer, Hessen und Bayern auf der Donau südostwärts. Zurückgekehrt sind Banater Schwaben." Der dazwischenliegende Entwicklungsprozeß kann im Rahmen dieses Artikels nur skizziert werden. 

Jene Menschen, die als Kolonisten in den Donauraum kamen, bezogen ihre ethnische Identität erst einmal aus ihrem Herkunftsgebiet - waren also Pfälzer oder Schwaben oder Franken etc., doch sie kamen alle aus einem Raum, der ihnen vertraut war, in einen völlig fremden Raum, begegneten hier anderen Kolonisten aus verschiedenen deutschen Landen, aber auch nichtdeutschen Einheimischen (Ungarn, Kroaten, Serben, Rumänen). Diesen Einheimischen gegenüber empfanden sich die Kolonisten, die ihrer verschiedenen Herkunft wegen vor der Aussiedlung nichts miteinander verbunden hatte, doch als eine Gemeinschaft von ,,deutschen Leuten". Die staatlichen Maßnahmen die Ansiedlung betreffend (Bodenzuteilung, Dorfanlage, Häuserbau uam.) galten für alle Kolonisten. Auch der Einfluß der Umwelt ihres Siedlungsgebietes und der ihrer neuen alteingesessenen Nachbarn wirkte sich auf alle Kolonisten aus. Dadurch entwickelten sich bei ihnen besondere einheitliche ,,Lebens-, Arbeits- und Verhaltensweisen" (Senz), durch welche sie allmählich zu einer neuen ethnischen Gruppe, zu ,,Schwaben" geformt wurden. Ein Bewußtsein dafür entwickelten sie allerdings erst um die Mitte des 19.Jh., als der Druck der Magyarisierungspolitik ihre ethnische Identität gefährdete. Annemarie Röder nennt als Magyarisierungsmaßnahmen mit wesentlichen Auswirkungen: 
 

• Einführung der magyarischen Sprache anstatt der lateinischen (1836), z.B. in den Kirchenmatrikeln
• Beherrschung der magyarischen Sprache durch diejenigen, die Anwälte oder Beamte werden wollten sowie durch die Geistlichen (1840) und die Lehramtskandidaten (Volksschulgesetz, 1879)
• Einführung der ungarischen Sprache als Pflichtfach in Volks-und Grundschulen
• Einführung des Ungarischen als Sprache der Gerichte und der amtlichen Dokumente
• Magyarisierung der Familiennamen (1879)
• Ortsnamengesetz (1898), das die Verwendung der ungarischen Namen vorschrieb
• Höhepunkt war die Lex Apponyi (1907), die den Gebrauch des Magyarischen als Unterrichtssprache verordnete, wenn 50% der Schüler diese Sprache beherrschten. Bürgertum und Intellektuelle, aber auch Großbauern leisteten der Magyarisierungspolitik kaum Widerstand, im Gegenteil, Magyare zu sein galt als vornehm. Widerstand regte sich im Kleinbürgertum, bei Klein- und Mittelbauern. Sie wurden Träger einer ,,ungarndeutschen Bewegung". Diese ,,war ein Anzeichen eines Gemeinschaftsbewußtseins vor allem der Schwaben in Südungarn" (Röder).
 

Ab Mitte des 19.Jh. wurden zahlreiche deutsche Gesangs-, Lese- sowie Volksbildungsvereine gegründet, auch wirtschaftliche Interessenverbände, der Bauern z.B., und schließlich 1906 die ,,Ungarländische Deutsche Volkspartei" (UDVP). ,,Die UDVP solidarisierte sich mit den politischen Bewegungen der anderen Nationalitäten. Auch versuchte sie alle deutschsprachigen Bürger Ungarns anzusprechen, neben den Siebenbürger Sachsen auch die Sathmarer Schwaben, die Zipser Sachsen, die Karpatendeutschen und die Burgenländer. 

Im Zeitraum 1910-1914 versuchte die UDVP sich zu konsolidieren und ihren Wirkungskreis auszubreiten, was ihr auch einigermaßen gelungen ist" (Röder). Für die Industriearbeiter des Banater Berglandes spielte die Gründung der ,,Sozialdemokratischen Partei Ungarns" 1890 eine Rolle, in der sich Arbeiter und Landproletariat in zahlreichen nationalen Sektionen organisierten. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges waren die Donauschwaben Bürger der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Sie wurden zuerst von Wien aus, später von Budapest aus regiert. Durch den Friedensvertrag von Trianon (1920) wurde ihr Siedlungsgebiet unter drei Staaten (Ungarn, Jugoslawien, Rumänien) aufgeteilt. Bestrebungen wie die der UDVP wurden damit unterbunden. Obwohl die Verträge von Trianon Minderheitenschutzrechte vorsahen, betrieben die drei Staaten doch mehr oder weniger eine Politik der Nationalisierung. Insbesondere Ungarn hielt an der Idee einer ,,einheitlichen Nation" fest und setzte seine Magyarisierungspolitik fort. Rumänien zeigte sich loyaler, machte Zugeständnisse vor allem auf kulturellem Gebiet, griff jedoch auch zu Maßnahmen, die den Nationalstaat Rumänien stärken sollten. Ahnlich war die Situation in Jugoslawien. Annemarie Röder nennt folgende Maßnahmen der rumänischen Regierung:
 

• mindestens 3/4 der Belegschaft und 2/3 des Aufsichtsrates mußten Rumänen sein (1924) (Das führte im Banater Bergland zum Einstellungsstop für Deutsche.) 
• 40% der Verwaltungsstellen mußten mit Rumänen besetzt sein
• Lehrer und Staatsbeamte mußten rumänische Sprachprüfungen ablegen
• 1936 wurde ein Gesetz entworfen, das eine Zentralisierung und Rumänisierung zum Ziel hatte
• der Gebrauch der rumänischen Ortsnamen wurde vorgeschrieben
• der ,,numerus valadicus" schränkte den Zugang zur Hochschule ein.

Die Politik des Dritten Reiches wirkte sich zunehmend auf die Donauschwaben in Ungarn, Jugoslawien und Rumänien aus. Die faschistischen Regierungen in diesen Ländern gewährten ihnen schließlich weitgehend Autonomie. Der Einheit der Donauschwaben diente dies jedoch nicht, denn sie suchten kein Miteinander, orientierten sich nicht aneinander, sondern an Deutschland. Der Hauptgrund dafür war nicht mangelnde Loyalität dem eigenen Staat gegenüber, denn ,,die Donauschwaben waren immer loyale Bürger des jeweiligen Staates, in dem sie lebten," doch ,,gleichzeitig gehörten sie dem deutschen Kulturkreis an" (Röder). Die Freiheit, diesen Teil ihrer Identität zu entfalten, war eine Folge des politischen Einflusses, den das Dritte Reich im Siedlungsgebiet der Donauschwaben gewonnen hatte. Nach der Niederlage Deutschlands wurde ihnen jedoch gerade dies zum Verhängnis. Vertreibung (aus Jugoslawien, Ungarn), Flucht, Deportation, Enteignung, politische Verfolgung und schließlich Aussiedlung (besonders aus Rumänien) haben die in über 200 Jahren gewachsenen donauschwäbischen Gemeinschaften weitgehend aufgelöst. 

Heute leben die meisten Donauschwaben in Deutschland. Seit Trianon gehen sie getrennte Wege. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich nur die aus Jugoslawien vertriebenen Deutschen ausdrücklich als ,,Donauschwaben" bekannt und die ,,Landsmannschaft der Donauschwaben" gegründet, während die Deutschen aus Ungarn sich in die ,,Landsmannschaft der Ungarndeutschen" zusammenfanden und die ,,Landsmannschaft der Banater Schwaben" als Verband der Deutschen aus dem rumänischen Teil des Banats entstand. Das hat zum einen damit zu tun, daß man sich durch die Folgen von Trianon fremd geworden war, zum anderen damit, daß die Landsmannschaften die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten hatten, und die sind bedingt durch die Herkunft aus verschiedenen Staaten, zum Teil unterschiedlich. 

So kamen donauschwäbische Spätaussiedler hauptsächlich aus Rumänien. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben und der Siebenbürger Sachsen setzten und setzen sich auch heute noch auf politischer Ebene für die Interessen der Rumäniendeutschen ein, während für die Jugoslawien- und die Ungarndeutschen die Spätaussiedler kein Thema sind. 

Die seit 41 Jahren erscheinende ,,Banater Post‘ versteht sich als ,,Zeitung der Landsmannschaft der Banater Schwaben". Sie behandelt Themen aus dem gesamten rumänischen Teil des Banats, also auch aus unserem Bergland der Nichtschwaben, klammert den jugoslawischen Teil des Banats aber weitestgehend aus. 

Der seit 46 Jahren erscheinende ,,Donauschwabe" nennt sich ,,Bundesorgang der Heimatvertriebenen aus Jugoslawien, Rumänien und Ungarn". Seine Beiträge beziehen sich größtenteils auf die Donauschwaben aus Jugoslawien, aber oft auch auf das rumänische Banat und Ungarn. Es gibt also zwischen den Donauschwaben nicht nur das Trennende, sondern auch ein Bekenntnis zu dem sie Einigenden, und zwar zunehmend mehr. So konnte Jakob Dinges, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben, auf einer festlichen Bundesversammlung im Oktober letzten Jahres verkünden: "Diese Bundesversammlung wird als ein historischer Meilenstein in die Geschichte der Donauschwaben eingehen. Heute geben sich zwei donauschwäbische Landsmannschaften die Hand und wollen gemeinsam die Probleme der donauschwäbischen Zukunft anpacken." Es waren dies die Landsmannschaft der Jugoslawien- und der Ungarndeutschen. Und Prof. Dr. Paul Strifler sagt auf derselben Veranstaltung: ,,Die Vereinigung der donauschwäbischen Landsmannschaften ist notwendig. Wir sind überzeugt, daß sich die Banater und Sathmarer Schwaben anschließen werden. Wir Donauschwaben haben eine gemeinsame Geschichte. Eine Einigung würde die unnatürliche Trennung der letzten Jahrzehnte beenden. Wir könnten für uns also damit Trianon überwinden Das Bewußtsein der Einheit der Donauschwaben aus historischer Sicht soll in der Gestaltung des  Donauschwäbischen Zentralmuseums, dessen Konzeption derzeit in Ulm entwickelt wird und das 1999 eröffnet werden soll, seinen Niederschlag finden. 

Die Banater Berglanddeutschen 

sollen nach dieser Konzeption in das Museum einbezogen werden. Das stellt uns Deutsche aus dem Banater Bergland, die wir uns nicht Schwaben nennen, vor die Frage, ob wir mit der eingangs erwähnten Definition einverstanden sein können, die auch die Deutschen aus dem Banater Bergland ausdrücklich in die große ethnische Gruppe der Donauschwaben einbezieht. 

Ehe wir auf diese Frage eine Antwort geben, sollten wir noch ,,die knappste und präziseste Definition" (Senz) zu Rate ziehen. Sie stammt von Walter Kuhn (1 903-1983) und lautet.,, Donauschwaben sind die Gesamtheit der jungen deutschen Sprachinseln im Bereich der mittleren Donau und ihrer Nebenflüsse, die historisch und früher auch staatlich eine Einheit bildeten." Kuhn spricht darin nicht von nur einer und auch nicht von schwäbischen Sprachinseln, sondern von einer ,,Gesamtheit" von ,,deutschen Sprachinseln". 

Das Banater Bergland liegt an der östlichen Grenze des donauschwäbischen Siedlungsgebietes. Seine Flüsse sind direkte oder indirekte Nebenflüsse der mittleren Donau. Somit gehört das Banater Bergland zu dem, was Wissenschaftler den donauschwäbischen Siedlungsraum nennen. 

Uber die deutschen Sprachinseln im Banater Bergland schrieb Alexander Tietz: ,,Die Sprechweise des Deutschen, die im Banater Montangebiet vorherrscht, .. .ist das österreichische Deutsch, die gemeinsame Umgangssprache der alten Monarchie... Das ,Reschitzarerische‘ unterscheidet sich kaum vom ,Temesvarerischen‘; in Temesvar wird nicht Schwäbisch, sondern Österreichisch gesprochen. Diese städtische Gemeinsprache ist nicht einheitlich; man fühlt mehr oder weniger den böhmischen oder slowakischen Akzent. 

In der Franzdorfer Volkssprache schlägt das Steirische durch: hie und da taucht sogar ein zipserisches Wort auf." Und daß die Wolfsberger eine deutsch-böhmische Mundart sprechen und keine schwäbische, weiß jeder, der die böhmischen Dörfer am Fuße des Semenik kennt. Doch liegen auch diese ,,österreichischen" und "böhmischen" Sprachinseln im donauschwäbischen Siedlungsraum. 

Was die in Kuhns Definition angesprochene historische und früher auch staatliche Einheit angeht, so gibt es zwischen Donauschwaben und Banater Berglanddeutschen neben einer Reihe von Unterschieden im Detail, mehr als eine wesentliche Gemeinsamkeit. Sie alle kamen ab dem 18. Jh. als Siedler in ein Land, das die Habsburger in Besitz genommen, nachdem sie die Türken daraus vertrieben hatten. Sie lebten als Deutsche im selben Staat, hatten dieselben Gesetze zu beachten, genossen anfangs als Kolonisten Vergünstigungen. Sie waren der Magyarisierung ebenso ausgesetzt wie den Folgen von Trianon. Sie wurden in Binnenwanderungen innerhalb des donauschwäbischen Siedlungsraumes einbezogen. (Erwähnen wir nur die keineswegs geringe Zuwanderung von Schwaben nach Reschitz nach dem Zweiten Weltkrieg.) 

Es gab zwischen Berglanddeutschen und Schwaben kulturelle und auch familiäre Beziehungen, bedingt durch die Nachbarschaft der von ihnen bewohnten Räume. Annemarie Röder geht ausführlich auf die Bedeutung der regionalen Zugehörigkeit für die Selbstdefinition einer Gruppe ein. ,,Das Territorium bietet Schutz, gibt Raum für Aktion und Identifikation. 

Die räumliche Bindung ermöglicht häufige und intensive Kontakte zwischen den einzelnen Gruppenmitglledern. Namen wie Banater Schwaben, Sathmarer Schwaben, Siebenbürger Sachsen und eben auch Banater Berglanddeutsche lassen die Identifikation mit einem bestimmten Raum, der zur Heimat wurde, erkennen. Aber über den engen Raum hinaus, dem man sich gefühlsmäßig verbundeh fühlt, steht die Gruppe in größeren historischen und räumlichen Zusammenhängen. Ein solch größerer Zusammenhang sind die historisch entstandenen und durch die historische Entwicklung bedingten Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Gruppen der Donauschwaben. 

Daß auch wir Banater Berglanddeutsche in diesem größeren Zusammenhang stehen, das zu erkennen, fällt uns nicht schwer. Womit wir uns schwertun, das ist der Name. Hätten sich die Wissenschaftler dereinst für ,Donaudeutsche‘ und nicht für ,,Donauschwaben" entschieden, hätten wir als relativ kleine Gruppe kaum Schwierigkeiten damit gehabt, uns an der Seite der größeren Gruppe der Banater Schwaben in eine große Gruppe der Donaudeutschen einzugliedern. 

Es ist der Name Schwabe, mit dem wir Deutschen aus dem Banater Bergland uns nicht identifizieren, aus dem unguten Gefühl heraus, daß wir mit einem Bekenntnis zum Banater Schwabentum, in welchem zudem die Schwaben naturgemäß eine dominate Rolle spielen, dem Verlust der Banater Berglandheimat jetzt und hier den Verlust unserer Identität hinzufügen würden, indem wir uns in Deutschland als etwas bekennen, was wir im Banat nie waren, nämlich Schwaben. In seinem ,,Rückblick auf 15 Jahre Heimatverband der Banater Berglanddeutschen" hat Ehrenbundesvorsitzender Jullus A. Baumann auf unseren diesjährigen Heimattreffen (1996 anm.d.Red.) auf diese Gefährdung hingewiesen, die seinerzeit zur Gründung unseres Heimatverbandes als eines von der Landsmannschaft der Banater Schwaben unabhängigen Vereins geführt hat. 

Ein Sprachwissenschaftler, der sich eingehend mit der Beziehung zwischen Wort und Wirklichkeit beschäftigt hat, stellte einst fest: ,Der Name ist nicht das Ding.‘ Doch der Mensch vermag mitunter ein Ding gleichsam zu erschaffen, indem er ihm einen Namen gibt. So haben Ungarn und Serben aus Pfälzern, Hessen, Franken samt und sonders svábok, svaba gemacht. 

Wissenschaftler haben dann aus diesen Schwaben und aus Nichtschwaben und als solche sind die Donaudeutschen nun auch Teil der deutschen Geschichte, nicht nur der österreichischen, ungarischen, jugoslawischen und rumänischen, denn der Name ,,Donauschwaben" hat sich, wie der banatschwäbische Historiker Josef Wolf feststellt, in Deutschland ,,in einem geographisch sehr weiten, politisch und verwaltungsgeschichtlich oft in einem ungenauen Sinnen eingebürgert". 

Das Donauschwäbische Zentralmuseum, das derzeit in Ulm entsteht, kann dem Sinn des Wortes Donauschwaben Genauigkeit verleihen, wenn es gelingt, die historisch bedingte Vielfalt in der donauschwäbischen Einheit darzustellen, und dann könnte sich auch die Geschichte der Banater Berglanddeutschen mit ihren Besonderheiten als ein durchaus beachtenswerter Teil dieser Vielfalt in das große Mosaik Donauschwaben einfügen, ohne daß wir deswegen unsere eigene Identität als Banater Berglanddeutsche preisgeben müssen.

Herta Drozdik-Drexler